Mitglied im Landesverband Hist. Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg und Hohenzollern

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Der Große Zapfenstreich

Im Jahresgeschehen der Hist. Bürgerwache ist die Ausführung des Großen Zapfenstreiches zu Ehren des Stadtoberhauptes von Ehingen am Vorabend von Fronleichnam in der heutigen Form seit 1952 traditioneller Brauch.

Ablauf des Großen Zapfenstreiches:

„Aufmarsch“ der Hist. Bürgerwache als Großer Zapfenstreich auf dem Marktplatz vor dem Rathaus mit dem „Yorck‘schen Marsch“ in der Formation

– I. Zug – Spielmannszug – Musikzug – III. Zug – II. Zug mit einer Gesamtstärke von ca. 200 Uniformierten.


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„Meldung“ des Großen Zapfenstreiches durch den Kommandierenden an den

Oberbürgermeister und Abschreiten der präsentierenden Ehrenformation unter den Klängen des „Preuß. Präsentiermarsches“.

Es folgen Grußworte und die Verleihung von hohen Verdienstauszeichnungen.

Zur „Serenade!“

spielen Musik- und Spielmannszug im Wechsel 3-4 Musikstücke nach Wahl des zu Ehrenden.

Mit dem Kommando 

„Großer Zapfenstreich stillgestanden! Großer Zapfenstreich!“

beginnt der eigentliche Große Zapfenstreich, mit folgenden Bestandteilen: 

   - „Locken zum Zapfenstreich“ (der Zapfenstreich wird angekündigt/Spielleute)

   - „Zapfenstreichmarsch“ (Spielleute und Musikkorps)      

   - „Retraite“

     (die drei Posten des traditionellen Zapfenstreichs der berittenen Truppen/Musikkorps)

   - „Zeichen zum Gebet“ (Spielleute)

   - „Gebet“ (Spielleute und Musikkorps)

   - „Abschlagen nach dem Gebet“ (Spielleute)

   - „Ruf nach dem Gebet“ (Musikkorps).

Auf das Kommando:

   - „Das Gewehr über! Achtung, präsentiert das Gewehr!“ folgt 

   - die deutsche Nationalhymne.

Vor dem Gebet erhalten die Waffenzüge das Kommando zum Abnehmen, nach dem Gebet das Kommando zum Aufsetzen des Helms; der hist. (3.) Zug kniet stattdessen nieder.

Der Große Zapfenstreich wird nach dem Spielen der Nationalhymne durch den Kommandooffizier beim Oberbürgermeister abgemeldet.

Mit einem Wirbel von 8 Schritten und 8 Schlägen des Tambours und dem darauf folgenden „Preußischen Zapfenstreichmarsch“ rückt der Große Zapfenstreich ab.

Während des Großen Zapfenstreichs erfolgen keine Beifallsbekundungen; beim Gebet und bei der Nationalhymne wird die Kopfbedeckung von den Anwesenden abgenommen.

Unter dem Wahlspruch des früheren Landeskommandanten Oberst Otto Leimer aus Dietenheim für alle Stadtgarden und Bürgerwehren im Landesverband Württemberg und Hohenzollern:

„Vom guten Alten das Beste erhalten, die Heimat hegen, Kameradschaft pflegen, den Herrgott ehren, das ist das Ziel der Bürgerwehren“

steht auch für die Ehinger Bürgerwache die Verbindung zu unserer Jahrhunderte langen Geschichte, über die Aufführung des Großen Zapfenstreiches als feierliche Abendmusik, bis zur Beteiligung am Fronleichnamsfest gemäß unserer Satzung als vornehmste Pflicht und Verpflichtung, die Traditionen auch für kommende Generationen zu pflegen und zu erhalten.

Der Zapfenstreiches und seine Entwicklung zum Großen Zapfenstreich

Als "Zapfenschlag oder -streich" bezeichnete man ursprünglich den Zeitpunkt, zu dem auf ein Abend- signal im Feldlager der Landsknechte Ruhe zu herrschen hatte. Mit einem solchen Schlag bzw. Streich auf den Zapfen eines Bier- oder Weinfasses gab der Profos (Stockmeister), meist begleitet von Tambouren und Flötisten, das Zeichen zur Nachtruhe, die unbedingt einzuhalten war.

Von diesem Zeitpunkt an durfte der Marketender keine Getränke mehr ausschenken.

Im Laufe der Zeit wurde es üblich, dieses Zeichen in musikalisch erweiterter Form zu geben.

Chronologische Zeittafel zur Entwicklung:

1596
Erstmaliges Nennen eines Abendsignals in Verbindung mit dem Zapfenschlag.

1636
Verfügung des Kurfürsten von Brandenburg und Herzogs von Preußen
Georg Wilhelm zu Schankverbot und Zapfenstreich für Soldaten und Bürger gleichermaßen gültig.

1714
Erstmalige Erwähnung des Lockens. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Terminus "Großer Zapfenstreich" nachweisbar.

1788
Erwähnen des Lockens eine halbe Stunde vor Zapfenstreich.

1813
Verordnung zur Einführung des Gebets (auch Abendlied genannt) in Preußen.

Auf dieser Grundlinie (Locken – Zapfenstreich – Gebet) stellte Wilhelm Friedrich Wieprecht, "Königlich Preußischer Kammermusicus und Akademischer Künstler", die noch heute gültige Form des Großen Zapfenstreiches zusammen.

Er erklang auf diese Weise mit 1200 Mitwirkenden erstmalig am 12. Mai

1838
in Berlin zum Abschluss eines Großkonzertes zu Ehren des russischen Zaren.

Wieprecht hatte festgelegt, dass die Ehrenformation mit dem „Marsch des Yorck’schen Korps“ aufmarschiert. Das von Beethoven 1809 komponierte „Karoussel an dem glorreichen Namensfest Ihrer k. & k. Majestät Maria Ludovika im k. & k. Schlossgarten von Laxenburg“ (bei Wien) war von ihm als Marsch für die böhmische Landwehr entstanden. Von dort kam der Marsch 1813 zum Armeekorps des preußischen Generals Graf von Yorck.

1840
erscheint Wieprecht‘s Zapfenstreich in gedruckter Ausgabe.

1847
werden Zapfenstreich-Teile für Trommler und Pfeifer ins „Preußischen Exerzierreglement für die Infanterie“ aufgenommen.

Dieses Exerzierreglement ist gem. Satzung seit 1862 Grundlage für die Ausbildung der  Historischen Bürgerwache Ehingen.

1850
sind als Gebete im Großen Zapfenstreich nachweisbar:

Wir treten zum Beten (Valerius/Niederländisches Dankgebet);
Nun danket alle Gott (Crüger);
Lobe den Herren (unbekannter Komp.);
Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre (Beethoven);
Ich bete an die Macht der Liebe (Bortnjanskij).

1918
Abfolge des Großen Zapfenstreichs mit und ohne Hymne sowie mit verschiedenen Gebeten.

1922
Deutschlandlied (Nationalhymne) wird zum integralen Teil des Großen Zapfenstreiches bestimmt.

Heeresmusikinspizient Oskar Hackenberger verfügt "Ich bete an die Macht der Liebe" zum alleinigen Gebet im Großen Zapfenstreich. Für Bayern bleibt „Bayerisches Militärgebet" erhalten.

1940
Großer Zapfenstreich bleibt ausschließlich der Wehrmacht und der SS-Verfügungstruppe vorbehalten.

1944
Heinrich Himmler verfügt (9.11.) als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres
Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" zum Gebet im Großen Zapfenstreich; erste Aufführung des Großen Zapfenstreiches mit neuem Gebet in Breslau.

1962
Der Generalinspizient der Bundeswehr verfügt:
Ich bete an die Macht der Liebe" bleibt als Gebet im Großen Zapfenstreich erhalten. Für Bayern unverändert: „Bayerisches Militärgebet".

1983
Durchführung des Großen Zapfenstreiches wird für die Bundeswehr in der ZDv 10/8 verbindlich festgelegt.

Der zeremonielle Ablauf des Großen Zapfenstreiches hat sich also lange vor der Zeit der unsäglichen Geschehnisse im 20. Jahrhundert - auf die in diesem Zusammenhang von Kritikern gewisser Gruppen und Parteien immer wieder abgehoben wird - entwickelt und hat alle erhaltenswerte Berechtigung.